Ein Nachruf auf Arno, DL9AH von Klaus, DK7XL

Klaus Lohmann
DK7XL/DL0SDR
DK7XL@DARC.de

Silent Key Arno, DL9AH
Am 13. August ist Arno, DL9AH in Kroatien friedlich in Folge eines Herzstillstandes im Alter von 86 Jahren verstorben.

Arno war in der Regel nicht aktiv an der SDR-Runde beteiligt, aber wegen seiner hohen Präsenz auf 80m und 40m und seiner verdienstvollen Tätigkeit für den Amateurfunk auf vielen Feldern ist mir heute seine Würdigung im Rahmen des SDR-Rundspruchs ein besonderes Anliegen.
 
Ich trage ausschließlich meine persönlichen Eindrücke von Arno vor, die keinesfalls vollständig seine Tätigkeiten für den Amateurfunk oder gar sein Leben wiedergeben können und sollen.
 

Arno, DL9AH (DL9 „Able Henry“) gehörte zum Urgestein des Amateurfunks in der noch jungen Bundesrepublik.

Als 14jähiger habe ich ihn mit einem 0-V-2 regelmäßig gehört und viel von ihm gelernt. Schon bald nach meiner Lizenzierung ergab es sich, dass ich Arno 1975 persönlich in Wattenscheid besuchen konnte – und war erstaunt, dass er die von mir so stark für die Prüfungsvorbereitung malträtierte Morsetaste von Junker als Fußtaste zur S/E-Umschaltung seines Transceivers missbrauchte. Arno gab mir auch gleich eine Demonstration von der Leistungsfähigkeit seiner damalig aktuellen Zeilenendröhren-PA, die im C-Betrieb bei 150W Anodenverlustleistung mehrere Kilowatt an einen Heizstrahler – der natürlich hellrot glühte – abgeben konnte.

Arnos gesamtes Amateurfunkleben war durchzogen von dem Bestreben mit möglichst geringen Kosten hochwertige und im Nachbau sichere PA zu bauen. Anfangs mit Zeilenendröhre (PL36 – was dieser Endstufe den Beinamen „Zündkerzen-PA“ einbrachte) – später mit kostengünstigen MOSFET. Sein letzter im Septemberheft CQ-DL erschienener Artikel kehrte dann auch zu den Anfängen zurück: 18 Zeilenendröhren PL36 in der Schaltungstechnik einer Breitband Transistor-PA.

Arnos Endstufen, offen aufgebaut mit Weißblech-Chassis, mit Spulen aus Kupferrohr und lange mit Direktgleichrichtung aus dem Netz werden unvergesslich bleiben.

Arno verstand sich als „theoretisierender Praktiker“ – seine langjährige Arbeit als Berufsschullehrer war hier prägend. Sein zweites mich ebenso fesselndes Interessengebiet waren Mobilantennen für die Bänder 80m/40m. Die „Gelsenkirchner Mobilantennenauskopplung“ für Transceiver mit Röhren-PA machte bald Furore – wurde aber nach etlichen Jahren durch die ersten Mobiltranceiver mit Transistor-PA überholt. Es blieben seine aufschlussreichen Erkenntnisse zur den „base-loaded“ Mobilantennen, die bald ebenfalls unter dem Begriff „Gelsenkirchner Mobilantenne“ subsumiert wurden.

Den KW-Mobilisten unter uns wird seine Kritik an den kommerziellen Mobilantennen mit ihren „Schmunzelspulen“ noch im Ohr sein. Arnos engagierter Weggefährte – und er hatte viele – war damals nicht nur zu diesem Thema OM Heinz Schifferdecker, DL7AC.

Als „theoretisierender Praktiker“ mit berufsbedingtem „pädagogischen Impetus“ vertrat Arno oft sehr eigenständige Erklärungsansätze und setzte sich damit nicht selten starker Kritik aus.

Nur – sein Ziel war immer dem interessierten Funkamateur die HF-Technik nahezubringen, indem er komplexe Theorien auf stark vereinfachte, plausible Betrachtungen reduzierte. Das ist ihm ohne Zweifel gelungen. Machen OM werden die oft stundenlangen Diskussionen auf 80/40m in Erinnerung bleiben. Trotz massiver – mitunter auch persönlicher – Kritik ist Arno in meiner Erinnerung aber immer verbindlich im Ton geblieben – auch wenn seine Gesprächspartner an seiner Hartnäckigkeit verzweifelten und die Tonart wechselten.

Arnos Verdienste um den Amateurfunk beziehen sich auch auf die Verteidigung der Amateurfunkinteressen, die Arno substantiell in Gefahr sah, als es z.B. um die Novellierung des Amateurfunkgesetzes ging oder wenn leichtfertig unsere Interessen auf Spiel gesetzt wurden – z.B. durch die fehlende Unterscheidung zwischen „Störung und störender Beeinflussung“.

Legendär ist die ihm auferlegte Leistungsbeschränkung weit unter 10 Watt und sein anschließender Kampf dagegen. Bekannt ist auch seine unermüdliche Hilfsbereitschaft für YL/OM, die sich gegen Betriebsauflagen bis hin zum Sendeverbot wegen störender Beeinflussung von Unterhaltungselektronik in der Nachbarschaft zur Wehr setzen mussten. Sein Weggefährte bei der Verteidigung der Interessen des Amateurfunks war damals Fritz, DJ2NL. Über Jahre hat Fritz den „Rhein-Ruhr Rundspruch“ erstellt, den Arno auf 80/40m übertragen und die anschließende Aussprache zusammen mit Fritz moderiert hat.

Arno war ein unermüdlicher Kämpfer für die Sache, der oft unkonventionell argumentierte aber sich weder verschrecken ließ noch aufgab. Arnos Durchhaltevermögen hat seine Diskussions- und Verhandlungspartner oft schneller abgenutzt.

Und auch dies ist mir noch in Erinnerung: Der „Tüddeler“ – ein NF-Tongenerator mit Frequenzumtastung durch blinkende LED, der in die Mikrofonbuchse eingesteckt wurde. Er sollte auf 40m zu TVI/BCI Tests immer dann eingesetzt werden, wenn Bandeindringlinge – also Rundfunkstationen – unser exklusives 40m-Band okkupierten. Arnos zahlreiche Artikel und weitere Dokumente sind auf seiner Website dokumentiert. Ich hoffe, dass dieser Internetauftritt seinen Tod viele Jahre überlebt. Sie bleiben ein wertvoller Fundus.

Mit Fug und Recht kann man zusammenfassen, dass für Arno der Amateurfunk sein Leben war.

Er hat den Amateurfunk durch seine technischen Beiträge bereichert und sich bei der Verteidigung unserer Interessen vorbildlich auf breiter Front eingesetzt. Mit Arno haben wir ein Stück Urgestein des Amateurfunks in DL über viele Jahrzehnte erlebt, davon profitiert – und nun verloren. Ich hoffe, dass sein selbstloser Einsatz für den Amateurfunk auf vielen Feldern für uns Vorbild und Ansporn bleibt.

Wir laufen Gefahr, die Kurzwelle zumindest in Teilen durch „Man Made Noise“ zu verlieren.

Arnos Einsatz für den Amateurfunk sollte uns mahnen und dazu anhalten, bei der Verteidigung unserer Interessen nicht aufzugeben.

Nicht nur in diesem Sinne werden wir Arno vermissen.

Am 28. September ist seine Urne im Friedwald von Alfeld (Leine) beigesetzt worden.

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Dieter

Vielen Dank für diesen sehr schön geschriebenen Nachruf auf Arno, DL9AH. Auch ich hörte Arno mit einem Eigenbau 0-V-1 und habe ihn auch mehrmals als Schüler besucht, Ende der 60-er Jahre. Was immer Arno tat – er gab immer sein Bestes. Ein Abschied von ihm nach seinem langen und erfüllten Leben ist auch eine Feier seiner vielen Verdienste um den Amateurfunk.
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Dieter, VK3FFB, ex-DF3IK

Norbert Menk

Ich bin auch sehr traurig und vermisse ihn auf 40 und 80 mtr. wo ich sehr oft mit Arno QSO gefahren hab. Es war immer eine Bereicherung. Für die Familie herzliche Teilnahme. Möge er Ruhen in Frieden. DF8QV Norbert

Klaus

Danke, Peter und Uwe!

Peter

Danke für Deine Worte.Ein grosser OM hat uns verlassen.Ich werde Arnos Stimme auf 40m sehr vermissen.

Peter Koenig

Hallo Klaus, vielen Dank für diese Worte. Das hast du wirklich sehr schön geschrieben und ich stimme Dir in allem zu. Ich kannte Arno auch persönlich. Er hat immer den Nagel auf den Kopf getroffen . . . . .

Uwe

Danke Klaus für diesen würdigen und sehr einfühlsamen Text. Hat mich sehr berührt.

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